Pleiten, Pech und Pannen – und heimliche Heldinnen

Manchmal passieren auf und hinter der Bühne Dinge, mit denen niemand rechnet. Und wenn alles schief zu gehen droht, sind es die heimlichen Heldinnen, die Die kleine BÜHNE aus dem Schlamassel retten.

Eigentlich keine Märchenproduktion kommt ohne kleinere oder größere Katastrophen aus. Scheinwerfer brennen durch, Kulissen gehen kaputt, oder – und das ist das schlimmste – Darstellende fallen aus verschiedensten Gründen aus. Und obwohl es für DIE kleine BÜHNE dank der Doppelbesetzung bei den Märchenproduktionen meist eine naheliegende Lösung für einen Ausfall gibt, stehen manche Tage einfach unter keinem guten Stern. Und dann heißt es für irgendeine oder irgendeinen „Glücklichen“: ran an den Text.

War es im Vorjahr noch der Frosch Sigismund, den Regisseurin Mareike Ernst kurzfristig selber spielte, so war es im diesjährigen Märchen die titelgebende „Regentrude“, die das Schicksal ereilte, einmal ganz einzigartig außer der Reihe dargestellt zu werden. Die eigene Doppelbesetzung verhindert und selber gesundheitlich angeschlagen – und das an einem stark besuchten Samstag mit zwei Vorstellungen. Also wappnete sich Darstellerin Lynn, die erste Vorstellung trotz der Migräne durchzustehen, die sie fest im Griff hatte. Doch trotz intensiver Vorbereitung und Medikamenten war es ein Kampf, die intensive und zentrale Szene des Stückes durchzuhalten. Dass es ihr trotzdem gelang, das Publikum mit ihrer bewegenden Darstellung zu berühren und zu bezaubern, zeugt von Durchhaltevermögen und einem unerschütterlichen Willen. Doch nach diesem Kraftakt noch eine zweite Vorstellung? Nicht auszudenken!

Also muss eine andere Lösung her. Und die kam glücklicherweise (und einer wundersamen Fügung gleichend) soeben mit Lynn gemeinsam von der Bühne: Darstellerin Pia – die eben noch die Protagonistin Maren spielte – erklärte sich einverstanden, als Regentrude einzuspringen.
Mit dem Text und den Gängen auf der Bühne dank der gemeinsamen Szenen mit der „Trude“ bereits vertraut, nahm sie ihre Vorbereitungen auf. In nur 90 Minuten würde sie in ungewohntem Kostüm eben die Rolle spielen, die sonst immer ihr Gegenpart war.
Und dabei geht es nicht nur um den Text! Wer überzeugen möchte, kann nicht nur Zeilen aufsagen. Wer überzeugen möchte, muss eine Rolle in ihrer Gänze darstellen. Und was soll man sagen? Beinahe ätherisch schwebend und mit einer natürlichen Eleganz und Souveränität präsentierte Pia eine weitere, wunderbare Regentrude und verzauberte die großen und kleinen Gäste. 

Wir wünschen Lynn alles Gute (und freuen uns, dass sie inzwischen wieder spielt) und danken Pia für den außerordentlichen Einsatz und die tolle Leistung als Regentrude!

Wie wir zu sagen pflegen, wenn dann doch noch alles irgendwie aufgeht: Es ist ein Wunder!

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